Rentner demonstrieren in Athen (Archiv) | Bildquelle: dpa

Neue Milliarden für Athen "Wir sind verzweifelt"

Stand: 16.06.2017 11:18 Uhr

8,5 Milliarden Euro für Griechenland - das klingt nach viel Geld. Doch wie wirkt sich die Einigung auf das Alltagsleben aus? Viele junge Griechen verdienen derzeit drei bis vier Euro pro Stunde. Alte bekommen nur gekürzte Renten.

Von Michael Lehmann, ARD Studio Athen

8,5 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm für ihr Land - viele Griechen haben in den Fernsehabendnachrichten oder auf dem Smartphone diese an sich gewaltige Zahl aufblitzen sehen und doch gleichzeitig gespürt, dass sie selbst von diesem Geld nichts sehen werden. Griechenland braucht die Milliarden im Juli, um alte Schulden zurückzuzahlen. Für die allermeisten Griechen geht das Sparprogramm jedoch im alten Trott weiter.

"Ohne Familie könnten wir nicht überleben"

Junge Erwachsene müssen sich für drei bis vier Euro Stundenlohn mit Aushilfsjobs über Wasser halten. Rentner bekommen nur gekürzte Renten und selbst die manchmal lediglich zum Teil ausbezahlt. Giorgos Tsisidos, 70 Jahre alter Athener, spricht das aus, was ein Großteil der griechischen Bevölkerung denkt: "Ich habe Kinder und ich habe Enkel, und wenn wir nicht als Großfamilie zusammenhalten würden, könnten wir nicht überleben. Die Einigung von Luxemburg bringt uns im Jahr 2019 neue Belastungen und ich befürchte, dass uns das wirklich den Rest gibt und wir unsere Kinder und Enkel nicht mehr unterstützen können. Wir sind verzweifelt."

Hilfsgeld soll indirekt wirken

Für seine Verhältnisse strahlend präsentierte sich der griechische Finanzminister nach der Einigung in der Eurogruppe. Euklid Tsakalotos hängt heute an den Kiosken auf den Titelseiten vieler Zeitungen als Sieger eines geduldigen Spiels. Er muss jetzt seinem Volk erklären, dass das neue Hilfsgeld indirekt wirken soll. Indem es Sicherheit im Schuldendienst bringt und damit eine wichtige Stütze sein für mehr Wirtschaftswachstum kann. Es gebe Licht am Ende des Tunnels, mit diesen Worten drückte es Tsakalotos nach seinem monatelangen Verhandlungsmarathon mit den Geldgebern aus.

EU-Finanzminister einigen sich auf neue Finanzhilfen für Griechenland
tagesschau 20:00 Uhr, 16.06.2017, Markus Preiß, ARD Brüssel, zzt. Luxemburg

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"Griechenland lässt die Krise hinter sich"

Der Athener Finanz-Analyst Ilias Siakantaris ist froh über das Verhandlungsergebnis der Eurogruppe in Luxemburg: "Es gibt Anzeichen vom Kapitalmarkt und von der Börse, dass viele internationale Investoren verstanden haben, dass Griechenland die Krise hinter sich lässt", sagte er. "Dass nun so etwas wie ein neues Zeitalter anbricht. Das wird nicht gleich von heute auf morgen Riesenerträge bringen, aber wir haben Grund zur Hoffnung, dass nach sieben Krisenjahren jetzt doch endlich Kapital von Investoren ins Land fließt, das uns helfen wird."

Die Euro-Finanzminister in Luxemburg | Bildquelle: AP
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Bundesfinanzminister Schäuble spricht mit seinem österreichischen Amtskollegen beim Treffen der Eurogruppe in Luxemburg.

Doch viele Griechen sind hoffnungslos

Ob die Aufforderung des Finanzministers, an Wachstum und bessere Zeiten für Griechenland zu glauben, beim jüngeren Teil der Bevölkerung ankommen wird, muss sich erst noch zeigen. Davon wird allerdings viel abhängen in den nächsten Jahren. Sie fühle sich eigentlich seit langem wie gelähmt, sagte Valia, eine junge Frau in der Stadtmitte von Athen. Denn nach ihrem Architekturstudium habe sie niemals eine Chance gesehen, eine Anstellung in ihrem Wunschberuf zu bekommen. "Das ist wirklich die härteste Frage für fast alle in Griechenland, welche Chancen die Zukunft für sie bietet. Wenn ich zwei Jahre vorausdenke, werde ich depressiv. Da ist viel Panik in mir."

8,5 Milliarden Griechenlandhilfe, die bei vielen Griechen also eigentlich nicht wirklich ankommt. Eine Karikatur, die in den sozialen Medien die Runde macht, fängt die Stimmung vielleicht am besten ein. Zu sehen ist ein Labyrinth, aus dem jemand ruft: "Du kriegst das Geld!". Gegenfrage: "Aber wann?" Die Antwort aus dem sehr verwinkelten Labyrinth lautet: "Wenn wir uns mal treffen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Juni 2017 um 22:15 Uhr und am 16. Juni 2017 u. a. tagesschau24 um 11:30 Uhr.

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