Im Kibera-Slum in Nairobi sind die Proteste in Gewalt umgeschlagen. | Bildquelle: AFP

Nach Präsidentenwahl in Kenia Erneut Proteste - erneut Tote

Stand: 12.08.2017 17:37 Uhr

Schüsse in den Slums von Nairobi, gewaltsame Proteste gegen Präsident Kenyatta: In Kenia nehmen die Auseinandersetzungen zu, nachdem der Amtsinhaber am Freitag zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden war. Erneut kamen Menschen ums Leben.

Nach dem Wahlsieg von Präsident Uhuru Kenyatta haben sich die gewaltsamen Proteste in Kenia ausgeweitet. Die Polizei setzte Tränengas gegen einen Konvoi von Oppositionsvertretern in der Hauptstadt Nairobi ein.

In loyal zu dem unterlegenen Kandidaten Raila Odinga stehenden Slums in Nairobi eröffnete die Polizei das Feuer, um Demonstranten zu vertreiben. Diese hatten Straßen blockiert und Barrikaden in Brand gesetzt. Fotografen der Nachrichtenagentur AP sahen, wie Polizisten in der Gegend von Mathare mit scharfer Munition schossen und Tränengas einsetzten. Ähnliche Szenen wurden in Kibera beobachtet, einem weiteren Slum von Nairobi.

Tote bei Protesten nach Präsidentenwahl in Kenia
tagesschau 20:00 Uhr, 12.08.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Neun Leichen gezählt

Nach Angaben aus einer Leichenhalle wurden neun Leichen mit Schussverletzungen aus einem Slum in Nairobi gebracht, das eine Hochburg der Opposition ist. Ein Vater erklärte, seine neunjährige Tochter sei beim Spielen mit Freunden auf einem Balkon von einer verirrten Kugel tödlich getroffen worden.

Nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe wurden seit der Wahl am Dienstag 24 Menschen getötet. 17 der zwei Dutzend Todesfälle hätten sich in der Hauptstadt Nairobi ereignet, teilte die Nationale Kommission zu Menschenrechten Kenias mit. Die Zahl basiere zum Teil auf Berichten von Familien- und Gemeindeangehörigen. Die Kommission, die Regierungsinstitutionen beobachtet, appellierte an ranghohe Beamte, die Polizei dazu zu drängen, keine scharfe Munition mehr gegen Zivilisten einzusetzen.

James Orengo von einem Oppositionsbündnis erklärte, bei der Niederschlagung von Protesten seien mehr als 100 Menschen getötet worden. Darunter seien auch zehn Kinder, sagte er. Eine offizielle Bestätigung dieser Angaben gibt es aber nicht.

Kenyatta zum Wahlsieger erklärt

Die Wahlkommission hatte Kenyatta am Freitag zum Sieger erklärt. Der 55-Jährige erhielt demnach bei der Wahl am vergangenen Dienstag 54,27 Prozent der Stimmen, sein Gegner Odinga 44,74 Prozent. Die Kommission bezeichnete die Wahl als "glaubwürdig, fair und friedlich". Nachdem die Opposition Betrugsvorwürfe erhoben hatte, rief Kenyatta das ostafrikanische Land zur Einheit auf. Er reiche Odinga und all dessen Anhängern die Hand, sagte er.

Odinga hingegen spricht von Betrug. Er sagte unter anderem, die Datenbank der Wahlkommission sei gehackt und zugunsten seines Kontrahenten manipuliert worden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. August 2017 um 23:00 Uhr und tagesschau24 am 12. August 2017 um 11:00 Uhr.

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