Kind aus dem Sudan in einem UNHCR-Lager | Bildquelle: AFP

UNHCR-Jahresbericht Flüchtlingszahl auf Höchststand

Stand: 19.06.2017 07:44 Uhr

Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht: Laut UNHCR haben 65,6 Millionen Menschen ihre Heimat verloren. Mehr als die Hälfte von ihnen kommt aus Syrien, Afghanistan und dem Südsudan. Deutschland wird als "humanitärer Spitzenreiter" gelobt.

Von Wolfgang Wanner, ARD Genf

65,6 Millionen Menschen waren Ende des Jahres 2016 auf der Flucht - und jeden Tag kommen weitere hinzu. Dieser neue Höchststand zeige, dass Konflikte, die die Hauptursache für Flucht und Vertreibung seien, nicht gelöst werden, so UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi im ARD-Interview. "Wir leben wirklich in einer Welt, in der es unmöglich geworden ist, Frieden zu schaffen", sagt Grandi. Und deshalb würde die Situation für Flüchtlinge noch schlimmer werden.

UN-Flüchtlingskommissar Felipe Grandi | Bildquelle: AP
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UN-Flüchtlingskommissar Fillipo Grandi

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind unter den 65,6 Millionen Menschen, die Ende 2016 auf der Flucht waren, 22,5 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, weitere 40,3 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden und 2,8 Millionen Asylsuchende.

Sorge bereitet dem Flüchtlingshilfswerk die nach wie vor große Zahl von minderjährigen Flüchtlingen, die allein unterwegs sind. Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge waren Minderjährige.

UNHCR-Jahresbericht vorgestellt
tagesschau 12:00 Uhr, 19.06.2017, Wolfgang Wanner, SWR

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Hälfte aller Flüchtlinge kommt aus drei Ländern

Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen haben, kommen aus drei Ländern: Syrien, Afghanistan und dem Südsudan. Der Bürgerkrieg im Südsudan sorgt für die am schnellsten wachsende Flüchtlingsgruppe: Ende des Jahres 2016 waren es 739.900 anerkannte Flüchtlinge, aktuell sind es 1,87 Millionen. Das Flüchtlingshilfswerk berichtet von gezielten Tötungen von Zivilisten, darunter Kinder. Von willkürlichen Verhaftungen, Folter und Vergewaltigungen. Verschärft wird die Situation durch die Hungersnot im Land. Die meisten Flüchtlinge aus dem Südsudan halten sich derzeit in den Nachbarländern Uganda, Kenia und Äthiopien auf.

Der Bericht zeigt, dass sich generell die meisten Flüchtlinge außerhalb Europas befinden. 84 Prozent hätten in Ländern mit niedrigem beziehungsweise mittlerem Einkommen Schutz gesucht. Das seien oft Nachbarstaaten.

Die Flüchtlinge in Europa

Vor allem wegen des Syrienkonflikts nimmt die Zahl der Flüchtlinge in Europa weiter zu. Die meisten leben in der Türkei: Ende des Jahres 2016 waren es 2,9 Millionen. In den übrigen europäischen Ländern hielten sich 2,3 Millionen Flüchtlinge auf.

Angesicht der Pläne der EU, die Mittelmeerrouten stärker zu überwachen, sagte UN-Flüchtlingskommissar Grandi, dass es nicht genug sei, Flüchtlings- und Migrationsbewegungen zu kontrollieren. Man müsse mehr unternehmen, um Ursachen für Flucht und Vertreibung zu lösen.

Sorge bereitet Grandi die immer restriktivere Flüchtlingspolitik in der EU. Europa müsse bei Asylfragen weiterhin als gutes Beispiel voran gehen, meinte Grandi: "Wenn sich Europa abschottet, wie sollen wir dann Länder mit weitaus weniger Ressourcen in Afrika, dem Nahen Osten und Südamerika dazu auffordern, ihre Grenzen für Menschen, die wegen grausamer Konflikte fliehen, offenzuhalten?"

Deutschland Spitzenreiter bei Asylanträgen

Die Zahl der neuen Asylanträge bleibt auch für 2016 unverändert bei zwei Millionen. In Deutschland wurden dabei weltweit die meisten Anträge (722.400) gestellt.

Grandi wünscht sich, dass Deutschland weiterhin der "humanitäre Spitzenreiter" bleibe, sowohl was die Aufnahme von schutzbedürftigen Menschen angehe als auch was die Investitionen etwa in Afrika betreffe, um Ursachen für Flucht und Vertreibung zu lösen. Flüchtlingskommissar Grandi appellierte, dass für Menschen, die internationalen Schutz bedürfen, die Grenzen offen bleiben.

Über dieses Thema berichtete am 19. Juni 2017 Deutschlandfunk um 07:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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